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    Die bulgarische Tanzfolklore

    Ein Buch über die Hintergründe der bulgarischen Folkloretänze, über den geographischen, den historischen und den sozialen Kontext, das Brauchtum, die Musik, sowie über die wichtigsten bulgarischen Volkstänze, ihre Rhythmen, Typen und Schrittfiguren. Es wendet sich an Leser, die sich als Folkloretänzer oder über andere Wege der bulgarischen Volkskultur nähern wollen und Antworten auf grundlegende Fragen zur spezifischen Eigenart der bulgarischen Tanzfolklore suchen.

    Autor: Herwig Milde, Freiburg
    Mitarbeiter: Belco Stanev, Choreograph, Varna

    (The Bulgarian Dance Folklore: contents in english)

    Inhalt:
    VORWORT
    EINLEITUNG: Hintergründe?
    Hinweise zur Aussprache
    1. GEOGRAPHIE: Balkan und Schwarzes Meer
    2. GESCHICHTE: Thraker, Römer, Slawen, Türken ... Leseprobe 1
    3. BRÄUCHE, FESTE, TANZANLÄSSE: Lazarustag und Georgstag
    4. RHYTHMEN UND TANZTYPEN: Horo, Kopanica, Râcenica, Cetvorno ... Leseprobe 2 - Leseprobe 3
    5. VOLKSMUSIKINSTRUMENTE: Gâdulka, Kaval und Tambura
    6. DIE VOLKSKUNDLICHEN REGIONEN: Oj, Schope, Schope ...
    7. SCHRITTE UND FIGUREN: Die wichtigsten bulgarischen Volkstänze
    Nordbulgarien
    Thrakien
    Rhodopen
    Sopluk
    Dobrudza
    Pirin
    ANHANG
    Literatur
    bulgarische Texte der zitierten Lieder
    Stichwortverzeichnis

    Zu dem Buch ist eine Doppel-CD erschienen mit der Musik zu den im Kap. 7 beschriebenen 47 Tänzen.

    Buch und CD sind erhältlich beim Dieter Balsies-Verlag Kiel oder
    bei Herwig Milde, Mail: post[at]herwigmilde[punkt]de


    VORWORT

    Wer hinter dem Titel «Die bulgarische Tanzfolklore» eine weitere Sammlung bulgarischer Tänze vermutet (vgl. Belco Stanev, Bulgarische Tänze 1 - 6; deutsche Beschreibungen von Michael Hepp u. Herwig Milde, Tübingen o. J.), wird freudig überrascht sein, hier eine Darstellung in Händen zu halten, die weit über das, was eine Sammlung leisten kann (und will), hinaus geht. Dieses Buch will die prägenden Faktoren aus Geographie und Geschichte, aus sozialen Gegebenheiten, Musik und Religion erschließen, die diese Tänze zu einem in ihrer Gesamtheit unverwechselbaren, im einzelnen wiederum hochdifferenzierten Kulturgut haben wachsen lassen. Erst auf einer solchen Basis, so die Auffassung der Autoren, entgehen sie dem Schicksal, zu einer mehr oder weniger kunstvollen bis artistischen Bewegungsfolge mit festgelegten Raumformen zu einer bestimmten Musik reduziert zu werden.

    Herwig Milde wäre nicht der Herwig Milde, den ich seit Jahrzehnten als engagierten Kämpfer für eine umfassende Sicht auf jegliche Tanzfolklore kenne, wenn er sich auf die bloße Wiedergabe von Schrittfolgen beschränkt hätte.

    Im Laufe seiner Tanzkarriere konnte er sich zu einem über Deutschlands Grenzen hinaus anerkannten und gesuchten Tänzer, Tanzlehrer und – durchaus im wissenschaftlichen Sinne – Tanzexperten entwickeln.

    Nach ersten Tanzerfahrungen mit Deutschen Tänzen und englischen Kontras in Kindheit und Jugend wandte er sich als Student der Tanzfolklore Südosteuropas zu. Sie sollte sein weiteres «Tanzleben» bestimmen. Abgesehen davon, daß er selbst seit 1968 (bis heute) aktiv tanzt, hat er sehr früh schon Leitungsfunktionen übernommen. Einige Beispiele in Stichworten:

    Leiter des Internationalen Folkloretanzkreises der Universität Freiburg von 1970 bis 1989
    Gründung (und Leitung) der Folkloretanzgruppe "Haide!", Freiburg 1979
    Veranstalter von Wochenendkursen und Folklorebällen in Freiburg seit 1983
    Trainingsleiter der ungarischen Tanzgruppe "Tilinkó" in Freiburg von 1999 bis 2003
    Damit waren öffentliche Auftritte verbunden – in Freiburg und Umgebung sowie beim 1. Bulgarischen Festival in München 1995.
    Parallel dazu war er gesucht und tätig als Lehrer in Wochenendkursen für ungarische, serbische, kroatische, rumänische und bulgarische Tänze in Freiburg, Berlin, Tübingen und München.

    Fortbildung war angesagt bei der Teilnahme an zahlreichen Seminaren bei Lehrern für rumänische, bulgarische, makedonische, serbische, griechische, ungarische, russische, tschechische, türkische, israelische und armenische Tänze.

    So wundert es nicht, dass im Laufe der Zeit eine umfangreiche Sammlung von Tänzen verschiedenster Genese entstand, zu denen er hunderte von Tanzbeschreibungen selbst angefertigt hat. Sein Musikarchiv enthält weit über tausend Musiktitel, eine Fundgrube, die sicher ihresgleichen sucht.

    Hinzu kamen – für die Entstehung dieses Buches wichtige – regelmäßige Aufenthalte in Bulgarien seit 1983 mit Besuchen der nationalen und internationalen Festivals in Koprivstica, Varna und Pirin. Es entstand eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Belco Stanev und Irena Staneva, aus der schließlich die entscheidenden Anstöße zur Entstehung dieses Buches kamen. Dabei darf nicht verschwiegen werden, daß Herwig Milde inzwischen Bulgarisch in Sprache und Schrift beherrscht, so daß er die bulgarischen Quellen selbst lesen und auswerten kann.

    Es ist Zeichen von Bescheidenheit und Fairneß, daß er Belco Stanev im Titel als Mitautor angibt, von dem er in Inhalt und Literaturhinweisen sicher viel profitiert hat. Letztlich aber ist es «sein» Werk. Hier wird der Leser in gelungenen Überblicken durch Geographie und Geschichte Bulgariens geleitet. Damit ist eine Basis geschaffen für das Verständnis von Festen, Bräuchen – kurz: von Tanzanlässen. So gelangt man schließlich zu den Tänzen selbst, d. h. zu den Rhythmen und Typen, zu den Musikinstrumenten und zu den Regionen, in denen die Musik gespielt und die Tänze getanzt werden.

    Den Abschluß bilden dann Beschreibungen der wichtigsten Volkstänze Bulgariens, insgesamt 47. Diese Beschreibungen sollen natürlich Anregung sein für die je eigene Praxis, sie illustrieren jedoch gleichzeitig – und das ist für die Lektüre äußerst hilfreich – die Darstellung in den vorauf gegangenen Kapiteln. Denn schon die Ausführungen zu Geographie und Historie, erst recht die weiteren, immer mehr auf das Tanzen und die Tänze bezogenen Kapitel sind durchsetzt mit Hinweisen auf entsprechende Tänze. Und die sind in Form dieser Beschreibungen gleichsam «mitgeliefert», so daß der Leser zum unmittelbaren Mit- und Nachvollzug angeleitet wird.

    Daß Herwig Milde von Beruf Lehrer ist im denkbar positiven Sinn, belegt dieses Buch mit erfreulicher Deutlichkeit: es verbindet Hintergrundwissen, Fachkenntnis und Erfahrung aus eigenem konkreten Handeln zu einer selten gelingenden, hier aber gelungenen Einheit von Theorie (= Wissen, Kenntnis) und Praxis (= Handeln). Hier kann der zunächst ahnungslose Folkloretänzer entdecken, eine wie reiche Welt an Ideen, Traditionen und Bezügen mit den Tänzen verbunden ist, die er nur in Musik und Bewegung kennt.

    Erst in einer solchen ganzheitlichen Sicht kann der (Volks-) Tanz als das erkannt werden, was er für viele Gemeinschaften gewesen ist: ein Symbol (neben anderen, aber ein wichtiges) für die Gemeinschaft, durch das sie ihre Identität ausdrückt.

    Herwig Milde statuiert ein Exempel, wie Tanzfolklore zu verstehen ist und wie man sie darstellen sollte. Es wäre nur zu begrüßen, wenn das Buch zu vergleichbaren Darstellungen über andere Tanzregionen anregen könnte.

    Für deutsche «Bulgarisch-Tänzer» sind hier zudem zum ersten Mal literarische Quellen erschlossen und Informationen zugänglich gemacht worden, die bislang nur in Bulgarisch oder in Englisch vorliegen.

    Dem Buch ist eine zahlreiche engagierte Leserschaft zu wünschen – nicht nur unter Bulgarienenthusiasten.

    Prof. Dr. Klaus Kramer, Kirchzarten


    EINLEITUNG: Hintergründe?

    Daß Volkstänze eine soziokulturelle Funktion haben, wird spätestens dann klar, wenn man erfährt, daß bestimmte Tänze bestimmten Tätigkeiten oder Festen zugeordnet werden, wie z.B. der Töpfertanz Grâncarsko Horo oder die Hochzeits- Râcenica (Svadbarska Râcenica). Bei der Suche nach diesen Zusammenhängen zu erfahren, daß konkrete Tanzfiguren und Tanzgesten in der Regel nichts "be-deuten", daß in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Tanzbewegungen rein ornamentalen Charakter haben und sich selbst genügen, mag zunächst enttäuschen. (Vgl. hierzu: Anna I. ILIEVA in DUTIFA 1976, S. 216: "Im bulgarischen Volkstanz sind die Gesten oder eher die Bewegungen nicht zu Symbolen geworden, sondern sind hauptsächlich ornamental, mit einem eigenen ästhetischen Wert.") Dennoch stehen Folkloretänze in vielfältigen Zusammenhängen, die es lohnt kennenzulernen.

    Das vorliegende Buch versucht, die maßgeblichsten Hintergründe der bulgarischen Folkloretänze aufzuhellen. Dabei muß über vielerlei Kontexte gesprochen werden, die ihre Entwicklung und ihren Charakter bestimmen: über den geographischen, den historischen Kontext, das Brauchtum, die Musik. Dabei kommen sicher auch Aspekte der bulgarischen Folkloretänze zur Sprache, nach denen der Folkloretänzer, die Folkloretänzerin vielleicht gar nicht gefragt hatten, die ihr oder ihm aber über Bulgarien und seine Tänze die Augen öffnen. Wenn das geschieht, hat dieses Buch seinen Zweck erreicht.

    Je mehr ich mich mit Geschichte, Kultur und Volkskunde Bulgariens beschäftigt habe, desto faszinierender waren die immer tieferen und weiterreichenden Einblicke in eine ungeahnt reiche Welt. Neben den im Anhang genannten Autoren verdanke ich praktische Erfahrungen mit einem umfangreichen Repertoire an bulgarischen Tänzen denen, die sie mich gelehrt haben:

    Belco Stanev, Julian Stanev, Irena Staneva, Maria Evtimova, Yves Moreau, Stefan Kotansky, Stefan Vaglarov, Nasko Nikolov, Krasimir Petrov, Georgi Kinski und anderen.

    Belco Stanev aus Varna am Schwarzen Meer ist einer der bekanntesten Choreographen für Fokloretanz in Bulgarien. Das von ihm viele Jahre lang geleitete "Ensemble Varna" hat eine Fülle von nationalen und internationalen Preisen errungen und wird inzwischen von seinem Sohn Julian weitergeführt. In Deutschland – wie auch in anderen Ländern Europas sowie in Nordamerika und Australien – ist Belco Stanev seit mehr als zwanzig Jahren präsent, lehrt Tänze und Lieder aus seiner Heimat und erarbeitet Choreographien für bulgarisch tanzende Gruppen. Mit seiner großen Liebe zur Folklore Bulgariens und der professionellen Vermittlung von Traditionen, Rhythmen und Liedern hat er begeisterte Anhänger bulgarischer Folklore gewonnen und damit viel zur Kenntnis seines schönen, aber in Westeuropa weithin unbekannten Landes und nicht zuletzt zur Völkerverständigung beigetragen.

    Die Idee zu dem vorliegenden Buch entstand aus unserer jahrelangen Zusammenarbeit und dem dabei zunehmenden Eindruck, daß die reine Vermittlung von Tänzen in den Ferien- und Wochenendkursen, Seminaren und Workshops nicht genügt. Einerseits blieb das Bedürfnis vieler Tänzer, mehr zu erfahren über die Tänze, von denen sie lediglich die Schritte und die Musik kennen, unbefriedigt. Andererseits tut man den Tänzen unrecht, wenn man sie - Teile einer reichen Tradition und Alltags- und Festkultur - auf Schritte und Raumbewegungen zu einer bestimmten Musik reduziert. Diese Lücke mußte geschlossen werden. Daß man in Deutschland und den Nachbarländern schon seit Jahrzehnten bulgarische Tänze tanzt und vergleichbare Bücher über andere Länder bereits existieren, waren weitere Argumente. Ich will hier nicht leugnen, daß mich auch mein eigenes Interesse getrieben hat, meine allmählich vertieften Kenntnisse der bulgarischen Folklore systematisch zu vervollständigen. Bei einer unserer zahllosen Diskussionen eines Abends im Herbst 1999 bei einer Flasche bulgarischem Merlot über die hiesige Folkloretanzszene und darüber, welchen Weg sie geht, beschlossen wir, gemeinsam dieses Buch zu machen.

    Belco Stanev hat an den Vorarbeiten maßgeblich mitgearbeitet. Er hat mich insbesondere zum Inhalt der Kapitel 4, 6 und 7 beraten. Meine Recherchen stützen sich zum größten Teil auf bulgarisches und englisches Originalmaterial, das er besorgt hat. Ohne seine praktische Unterstützung hätte ich dieses Buch nicht schreiben können. Ich bin ihm dankbar für sein nachhaltiges Engagement in diesem Projekt. Zugleich hat mich seine Mitwirkung in die Lage versetzt, deutschsprachigen Lesern bisher nicht auf deutsch verfügbare bulgarische und englische Quellen erstmals zu erschließen. Ich sehe darin eine zentrale Funktion des vorliegenden Buches.

    Mein besonderer Dank gilt der Tanzgruppe "Haide!" in Freiburg, die seit mehr als 20 Jahren mit mir tanzt und ohne die ich sicher nicht so kontinuierliche und intensive Tanzerfahrungen gewonnen hätte, meinem Freund Jacques Loneux, an dessen Buch über Rumänien ich vor einigen Jahren mitgearbeitet habe, sowie Prof. Dr. Gerhard Rupp, Prof. Dr. Klaus Kramer und Helma Kamke für Korrektur, Kritik, praktische Unterstützung und zahlreiche Anregungen.

    Herwig Milde
    Freiburg im Juni 2004